Zur Geschichte der Klosterbibliothek

Auf der Höhe zwischen der Wittlicher Senke und dem Moseltal steht die Wallfahrtskirche des Ortes Klausen, in ihrer heutigen Form erbaut gegen Ende des 15. Jahrhunderts. Sie war Teil einer Klosteranlage der Augustiner Chorherren aus der Windesheimer Congregation, einem reformierten Orden aus den Niederlanden.

Disziplin und Demut waren die Leitbegriffe, nach denen dieses Kloster geführt wurde. Die Einhaltung der Regeln des Ordens wurden von den Oberen akribisch überwacht. Zuwiderhandlungen wurden streng bestraft. Die klösterlich–asketische Lebensweise schrieb unter anderem vor, dass jeder der Ordensbrüder sich täglich für vier Stunden in seiner Zelle mit dem Abschreiben von Büchern zu befassen hatte. An Sonn- und Feiertagen, während sie der von der Pflicht zur körperlichen Arbeit befreit waren, hatten sie sich zu jeder verfügbaren Zeit mit Schreibarbeiten zu beschäftigen.

Daraus resultiert, dass die Klosterbibliothek der Augustiner Chorherren in Klausen bald einen großen Bestand an Büchern besaß. Sie stellte mit sicher festgestellten 180 Handschriften und 139 vor 1500 entstandenen Frühdrucken (Inkunabeln) und einigen tausend Exemplaren anderer Schriften einen Bestand dar, der innerhalb des Erzstiftes Trier zu den größten zählte.

Die Bibliotheksräume wurden gegen Ende des 15. Jahrhunderts erbaut und liegen direkt über der Sakristei, einem großen Raum mit einem Kreuzgewölbe, deren Rippen im Mittelpunkt auf einer Säule ruhen. Die Schlusssteine dieses Gewölbes sind im Hochrelief ausgearbeitet und stellen die vier großen Kirchenlehrer mit den Symbolen der Evangelisten dar. Eine reiche Rankenmalerei in grün ist um diese Schlusssteine in den Gewölbemitten herumgelegt.

Die Spitzbogenfelder der Wandflächen sind mit spätgotischen Wandmalereien bedeckt, die zu Anfang des 16. Jahrhundert hergestellt wurden. Diese stellen 19 Personen dar, die sich auf sechs Felder verteilen. Je drei von ihnen bilden eine Gruppe, die durch Spruchbänder miteinander verbunden sind, deren Inhalt die Beziehung zueinander und zu dem Raum als Bibliothek gesetzt sind. Es wird vermutet, dass sich diese Darstellungen der Personen auf die Anordnung und Aufstellung der Bücher bezieht.

So könnten die Darstellung der Propheten für die alttestamentarischen Schriften stehen. Für die Schriften des neuen Testaments ist daher vermutlich der Evangelist Johannes abgebildet. Der Kaiser und auch der Papst entstammen dem Kreis der Fakultätssinnbilder und sind Allegorien der Jurisprudenz.

Die Klausener Bibliothek gilt als ein im Rheinland völlig vereinzelt dastehendes Beispiel für die wohldurchdachte malerische Ausgestaltung eines klösterlichen, nicht unmittelbar kirchlichen Zwecken dienenden Raumes.

Seit der Zeit der Säkularisation im Jahre 1802 führt diese Bibliothek ein Dornröschendasein. Sie war auch der Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Es wurde festgestellt, dass sich im Laufe der Jahrhunderte starke Schäden an Büchern und Räumen gebildet haben. Die Bücher waren durch den Einfluss von Feuchtigkeit, Schimmel und Bücherwurm stark in Mitleidenschaft gezogen und beschädigt worden. Die Räumlichkeiten weisen ebenfalls starke Schäden durch Feuchtigkeit, dazu Staub, Ruß und Verwitterung auf. Die Gefahr einer völligen Zerstörung lag nahe. Das war für uns der Anlass, den Freundeskreis zur Rettung der alten Klosterbibliothek zu bilden.